Mit dem Jahreswechsel 2025/2026 ist E-Invoicing in vielen Ländern von der Konzeptions- in die operative Umsetzungsphase übergegangen. Neue Pflichten, technische Detailregelungen und erste Praxiserfahrungen prägen den Start ins Jahr 2026.
Dieser Beitrag fasst die relevantesten E-Invoicing- und E-Reporting-Updates zusammen – mit Fokus auf Europa sowie ausgewählte global relevante Märkte, die für international tätige Unternehmen und Hidden Champions von besonderer Bedeutung sind.
Kroatien: Fiscalization 2.0 im Echtbetrieb
Mit dem Start von Fiscalization 2.0 zum 1. Januar 2026 hat die kroatische Steuerverwaltung ihre Unterstützungsmaßnahmen deutlich ausgeweitet. Unternehmen finden umfangreiche offizielle Leitfäden, FAQs, technische Dokumentationen und Praxisbeispiele in einem eigenen Informationsbereich.
Fragen und Antworten zum Fiskalisierungsgesetz
https://porezna-uprava.gov.hr/hr/pitanja-i-odgovori-vezani-uz-zakon-o-fiskalizaciji-8031/8031
Informationsmaterialien und technische Anleitungen
https://porezna-uprava.gov.hr/hr/informativni-materijali/8150
Erste Kennzahlen (1.–13. Januar 2026):
- über 1,6 Mio. fiskalisierte E-Rechnungen
- rund 300.000 Steuerpflichtige
- 96.011 Nutzer der staatlichen Mikro-E-Invoice-Lösung
Gleichzeitig zeigen sich typische Startschwierigkeiten:
- nicht bestätigte Access Points
- unzureichend angepasste Softwarelösungen
- fehlende EN-16931-Konformität inkl. nationaler Erweiterungen,
- nicht registrierte bevollmächtigte Personen in der FiskApplication
Die Steuerverwaltung betont ausdrücklich ihren kooperativen Ansatz: Bei konstruktiver Mitwirkung werden in der Einführungsphase keine Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.
Offizielle Bestätigung und Details
https://porezna-uprava.gov.hr/hr/pocetni-pokazatelji-primjene-zakona-o-fiskalizaciji-prema-fiskalizacijskim-porukama-izdano-vise-od-1-6-milijuna-eracuna/8280
FAQs zur FiskApplication
https://porezna-uprava.gov.hr/hr/fiskaplikacija-8274/8274
Zusätzlich stellte das Finanzministerium klar, dass das System stabil läuft und es keinen offiziellen Grund für Verzögerungen bei der E-Rechnungsübermittlung gibt.
Stellungnahme der Steuerverwaltung
https://porezna-uprava.gov.hr/hr/demanti-navoda-o-nestabilnosti-sustava-fiskalizacije/8255
Offizieller Leitfaden „Fiscalization 2.0“
https://porezna-uprava.gov.hr/hr/vodic-kroz-fiskalizaciju-2-0/8149
Polen: KSeF 2.0 – Vorbereitung auf die Pflicht
Polen intensiviert Anfang 2026 die operative Vorbereitung auf das nationale E-Rechnungssystem KSeF:
- „KSeF Open Days“ in Steuerämtern an Wochenenden (24., 25. und 31. Januar 2026)
- verlängerte Öffnungszeiten der Finanzämter bis 20:00 Uhr (26. – 30. Januar 2026)
- Fortsetzung der Schulungsreihe „Wednesdays with KSeF“
Informationen zu Open Days
https://www.podatki.gov.pl/aktualnosci/dni-otwarte-ksef-w-urzedach-skarbowych/
Parallel dazu wurden wichtige funktionale und rechtliche Neuerungen umgesetzt:
- Rechnungen mit Anhängen sind nach vorheriger Anmeldung zulässig, jedoch nur als integraler Bestandteil der XML-Datei
https://www.gov.pl/web/kas/ministerstwo-finansow-udostepnilo-w-e-us-modul-zgloszen-faktur-z-zalacznikiem-dla-ksef-20 - Konsultationen zur Betriebsstätten-Definition (PEF) im Kontext von KSeF
https://www.gov.pl/web/kas/konsultacje-projektu-objasnien-podatkowych-smpd-dla-potrzeb-ksef
Technisch relevant für Integratoren:
- Einführung eines einheitlichen Adressierungsschemas für alle KSeF-Umgebungen
https://www.gov.pl/web/finanse/zmiana-adresow-srodowisk-ksef–komunikat-dla-integratorow
Zudem treten zum 1. Februar 2026 zentrale Verordnungen zur KSeF-Pflicht und zu Ausnahmen in Kraft:
https://legislacja.rcl.gov.pl/projekt/12376354/katalog/13002914#13002914
Deutschland: GEBA als Baustein für standardisierte Adressierung
Mit der Veröffentlichung der Dokumentation zur German Electronic Business Address (GEBA) wird ein neues freiwilliges Adressierungsschema für den elektronischen Geschäftsdatenaustausch vorgestellt. GEBA basiert auf der Wirtschafts-Identifikationsnummer (W-IdNr.) und unterstützt komplexe Konzern- und Unternehmensstrukturen, insbesondere im Peppol-Netzwerk.
Ankündigung
https://xeinkauf.de/aktuelles/peppol/geba-jetzt-online/
Formatspezifikation
https://xeinkauf.de/app/uploads/2025/12/GEBA-Formatspezifikation-v1.0.1-2025.12.15.pdf
GEBA gilt als möglicher Vorläufer für zukünftige DCTCE-Modelle in Deutschland.
Serbien: Gesetzliche Verschärfung und System-Updates
Serbien treibt sein E-Invoicing-System weiter voran:
- SEF Version 3.16.0 mit neuen Nutzerrollen
https://www.efaktura.gov.rs/vest/en/8029/sef-version-3160-available-in-production-environment.php - Ergänzend: SEF Version 3.15.1
https://www.efaktura.gov.rs/vest/en/7957/sef-update-3151-available-in-production-environment.php
Zudem wurde das E-Invoicing-Gesetz verschärft:
- verpflichtende Nutzung für öffentlichen und privaten Sektor
- detaillierte VAT-Reporting-Pflichten
- Aufbewahrungsfristen: 10 Jahre (privat), unbegrenzt (öffentlich)
- empfindliche Strafrahmen
Rumänien: Einheitliche Übermittlungsfristen
Mit der Notverordnung 89/2025 vereinheitlicht Rumänien die Übermittlungsfristen für elektronische Rechnungen:
- 5 Arbeitstage für B2B und B2C
- Klarstellung für Rechnungen an nicht ansässige VAT-Einheiten
- innergemeinschaftliche Umsätze bleiben ausgenommen
https://legislatie.just.ro/Public/DetaliiDocument/305817
Frankreich: Transparenz bei Plattformzulassungen
Die französische Steuerverwaltung DGFiP hat die aktuelle Liste der zugelassenen E-Invoicing-Plattformen veröffentlicht – ein wichtiger Schritt für Unternehmen bei der Anbieterauswahl.
https://www.impots.gouv.fr/liste-des-plateformes-agreees-immatriculees
Internationale Entwicklungen mit hoher Relevanz
Oman: E-Invoicing wird verbindlich
Oman hat den Übergang von der Planung in die Umsetzung offiziell bestätigt. Das Modell basiert auf Peppol-Standards.
Roadmap:
- Q1 2026: Registrierung von Service Providern
- Q3 2026: Pilotphase für Großunternehmen
- Q1 2027: Pflicht für alle Steuerpflichtigen
Ankündigung: Tax Authority of Oman – Fawtara
Türkei: Klarstellung zur Mehrwertsteuerbefreiung
Seit 12. Januar 2026 wird in bestimmten E-Invoice-Szenarien ein „Waived VAT Amount“ im XML ausgewiesen. Anpassungen der XSLT-Darstellung sind erforderlich.
https://ebelge.gib.gov.tr/duyurular.html#34cc9c43094eaf96eac870d4080d5e74
UAE: Vorverlegter Peppol-Stichtag
Die Nutzung von PINT AE Version 1.0.2 ist bereits ab 21. Januar 2026 verpflichtend.
https://peppol.org/documentation/technical-documentation/post-award-documentation/
Israel: Pflicht zur Rechnungsnummern-Allokation
Ab 2026 benötigen Rechnungen über 10.000 ILS eine 9-stellige Allokationsnummer der Steuerbehörde; ab Juni sinkt die Schwelle auf 5.000 ILS.
https://www.gov.il/BlobFolder/policy/inst-071225-1/he/vat_inst-071225-1.pdf
Malaysia: Verschiebungen und Klarstellungen
Malaysia kombiniert Peppol (PINT-MY) mit dem staatlichen MyInvois-System:
- Verschiebung der Pflicht für kleinere Unternehmen
- neue FAQ und Guideline Version 4.6
https://mdec.my/static/pdf/national-einvoicing/Malaysia_PINT_Specifications_FAQ%20v1.0.pdf
https://www.hasil.gov.my/media/fzagbaj2/irbm-e-invoice-guideline.pdf
OECD: Leitlinien zu DCTR-Modellen
Die OECD hat einen für die für die internationale Harmonisierung relevanten strategischen Leitfaden zu Digital Continuous Transactional Reporting (DCTR) veröffentlicht.
https://www.oecd.org/en/publications/2026/01/digital-continuous-transactional-reporting-for-value-added-tax_09f49627.html
Fazit
Der News-Kickoff 2026 zeigt deutlich: E-Invoicing ist kein Zukunftsthema mehr, sondern operative Realität. Der Fokus verschiebt sich von der Gesetzgebung hin zu Systemstabilität, Datenqualität und durchgängiger Compliance, insbesondere im internationalen Kontext.
Retarus unterstützt Unternehmen dabei mit einer skalierbaren, Peppol-fähigen und vollständig gemanagten E-Invoicing-Plattform für rechtssichere Prozesse in Europa und weltweit.



