Ein Bericht aus dem Homeoffice

Ein Bericht aus dem Homeoffice

Seit Montag vergangener Woche arbeiten wir im Marketing von Retarus (so wie 95 Prozent unserer Belegschaft) alle von zuhause aus. Bis jetzt funktioniert das überraschend gut – wohl auch deswegen, weil wir als IT-Unternehmen sicher ungewöhnlich gute Voraussetzungen hatten.

Neun von zehn „Retariern“ haben einen Laptop als Arbeitsgerät und können überall dort arbeiten, wo sie ins Internet kommen. Unterstützt wird das durch eine VPN-Software, die automatisch einen Tunnel ins jeweilige Segment des Firmennetzes aufbaut, sobald sich der Rechner nicht mehr im selbigen befindet.

Dank Skype for Business, das wir wie auch unsere Exchange-Infrastruktur aus Compliance-Gründen on-premises im eigenen Hochsicherheits-Rechenzentrum betreiben, kommt auch die Telefon-Durchwahl immer da heraus, wo gerade der Laptop steht. Bei der Einführung haben wir teilweise ganz schön geflucht darüber, dass wir nur noch mit Headset telefonieren können, daran erinnere ich mich noch lebhaft – aber jetzt sind alle froh, dass sie daheim genauso erreichbar sind wie sonst am Büroarbeitsplatz.

Wir haben seit Montag jeden Morgen eine halbe Stunde Videokonferenz mit der ganzen Abteilung gemacht. Das fand im bisherigen Arbeitsleben nur einmal pro Woche physisch statt und gibt irgendwie ein ganz neues Zusammengehörigkeitsgefühl. Das geht sogar so weit, dass unser Chef Roland im Call am Freitag spontan meinte, er habe sich eigentlich dem Team als Ganzes noch nie so nahe gefühlt wie ausgerechnet jetzt in der Trennung durch die Coronakrise.

Ein dickes Dankeschön übrigens an nämlichen Roland auch dafür, dass er Anfang der Woche noch die iMacs unserer beiden Teilzeit-Grafikerinnen Tina und Heloise und auch den vom Werkstudenten Sebastian mit den nötigen Zertifikaten versehen und Homeoffice-fähig gemacht und die Rechner hernach bei den dreien zuhause vorbeigebracht hat. Wahrlich nicht selbstverständlich in dieser Zeit, zumal auch unser Abteilungsleiter sich gerade vermehrt um seine Tochter kümmern muss.

Überhaupt die ganzen Kinder: Wie die gerade relativ frisch aus ihren Elternzeiten zurückkehrenden Kolleginnen Sabrina (Zwillingsmutter), Michelle und Anna, Tina mit ihrem Kleinen und die übrigen Kolleg*innen mit Kindern im schulpflichtigen Alter deren Betreuung, „Homeschooling“ und Homeoffice unter den einen sprichwörtlichen Hut bringen, vermag ich bestenfalls ansatzweise zu erahnen. Dafür zerrütten bei mir Presslufthämmer, Kompressoren und allerlei andere Baumaschinen von zwei Baustellen in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung meine Nerven.

Bei der ersten halben Stunde Fitness fürs Homeoffice heute waren über 40 Kolleg*innen zugeschaltet.

Immerhin bin ich froh, dass im Zuge der Bauarbeiten noch keiner den Internetanschluss gekappt hat. Und ich bin auch froh, dass ich einen richtig schnellen Supervectoring-Anschluss und keine epischen Wartezeiten habe, wenn ich zum Beispiel für den Director Strategy mal schnell eben fünf Präsentationen in unseren offiziellen Firmen-Sharepoint hochladen muss. Auch der zusätzliche größere Monitor auf meinem Schreibtisch, den ich normalerweise gar nicht benutze, erweist sich fürs Heimbüro als überaus sinnvolle Anschaffung, nicht zuletzt aus ergonomischer Sicht.

Schwachstelle meiner heimischen Ausstattung ist, so viel kann ich nach der ersten Woche schon sagen, der (fehlende) Schreibtischstuhl. Ich sitze gerade auf meinem Swopper. Der ist zwar super für meinen vorfallgeschädigten Rücken, aber für einen ganzen Achtstunden-Arbeitstag fast schon zu gesund. Überhaupt muss man im Homeoffice glaube ich unbedingt darauf achten, regelmäßig zwischendurch aufzustehen und mindestens ein paar Schritte herumzulaufen. Ab Montag wird unsere Firmenfitnessfrau Nina zweimal täglich ein Video-Workout für alle zwangsweise Daheimgebliebenen anbieten, damit wir nicht ganz und gar einrosten durch die Coronakrise. Bin gespannt und werde versuchen, das möglichst regelmäßig mitzumachen.

Der Montag beginnt für mich wie immer, wenn keine Schulferien sind, mit einer Stunde Englischunterricht. Für unseren Lehrer Martin war es kein Problem, das technisch kurzfristig auf Skype umzuschalten. Letzte Woche haben wir uns auch inhaltlich gleich mit COVID-19 und seinen möglichen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft befasst anhand eines aktuellen Blogbeitrags vom Weltwirtschaftsforum.

Der Stoff für die Video-Englischstunde heute früh kam schon gestern Abend via E-Mail.

Die Entdeckung der Woche war für mich eindeutig Slack. Da wir bislang keinen abteilungsweiten Team-Chat zur Verfügung hatten, habe ich letzten Sonntag fürs Marketing spontan einen Workspace aufgesetzt. Darüber koordinieren wir seitdem die Aufgaben, die ein gemeinsames Arbeiten voraussetzen. Und nach ein paar relativ spontanen Aktionen im Laufe der vergangenen Woche frage ich mich, wie wir je ohne so ein Werkzeug ausgekommen sind. Ich bin schon jetzt zuversichtlich, dass wir auch nach der Rückkehr an unsere regulären Arbeitsplätze bei Slack oder einem vergleichbaren Werkzeug bleiben werden.

Eine mittelgroße Herausforderung haben wir schon für diese Woche: Zum April fängt mit Majkel ein neuer Kollege im Campaign Management an. Wir müssen uns jetzt überlegen, wie wir sein Onboarding technisch und organisatorisch so hinbekommen, dass er sich möglichst genauso schnell willkommen und als Teil des Teams fühlt wie das hoffentlich ohne die Verbannung ins Homeoffice der Fall gewesen wäre. Spannend und bislang gänzlich unerforschtes Terrain.

Die interne Kommunikation durch unseren Krisenstab erfolgt regelmäßig und ehrlich, das gefällt mir gut. Jeder weiß, woran er ist und worauf er achten sollte, von Unwägbarkeiten abgesehen. Und insgesamt fühlt es sich gut an, dass wir als Firma in einer solchen Krisensituation erst recht zusammenhalten und im Sinne unserer Kunden dafür sorgen, dass unsere Messaging-Services in der Coronakrise genauso zuverlässig funktionieren wie sonst auch. Mindestens.

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